Als Rentner nach Australien auswandern: So kann es klappen

Als Rentner nach Australien auswandern: So kann es klappen

Für viele ein Traumziel zum Auswandern im Alter: Australien (hier Sydney).

Australien: Früher Auswanderungsziel der armen Leute

Australien gilt neben den USA als klassisches Auswanderungsziel für Europäer. Seit dem frühen 19. Jahrhundert emigrierten Millionen Engländer, aber auch eine große Menge Deutscher nach „Down under“. Innerhalb weniger Jahrzehnte gaben sie dem Land eine europäische Prägung. Das merkt man Australien auch heute noch an.

Wer des Englischen mächtig ist, der findet sich hier in der Regel schnell zurecht. Das Land unterscheidet sich nicht wesentlich von England oder den USA, allerdings mit der Ausnahme, dass es hier einen gut ausgebauten Sozialstaat gibt und viel Geld in öffentliche Projekte fließt. Der Lebensstandard in Australien ist hoch, was sich allerdings auch in den Preisen niederschlägt. Die Eingewöhnung ist für die meisten Deutschen nicht schwer. Nur das Wetter ist natürlich besser, aber oft auch heisser, als in der alten Heimat.

 

Heute dagegen vor allem für Reiche

Die Zeiten, in denen man einfach nur seine Koffer packen, den nächsten Dampfer besteigen und in Australien unbehelligt ein neues Leben beginnen konnte, sind allerdings schon lange vorbei. Im 20. Jahrhundert wurde das Land nämlich zunehmend restriktiver bei der Auswahl seiner Immigranten. Wer heute als Rentner nach Australien auswandern möchte, der muss vor allem tief in die Tasche greifen.

Rentner ab einem Alter von 55 Jahren dürfen sich in Australien niederlassen, wenn sie dort eine dauerhafte Investition tätigen, also zum Beispiel ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen. Dann können Sie das sogenannte „Investor Retirement Visa“, also ein Visum für investitionsfreudige Rentner, beantragen. Die Altergrenze gilt bei einem Ehepaar übrigens für den älteren Partner, das heißt einer von beiden darf auch jünger sein. Das ist aber auch die einzige gute Nachricht. Kommen wir zu dem Haken an der Sache: Sie müssen nachweisen, dass Sie über ein Vermögen von mindenstens 500.000 bis 750.000 Australischen Dollar verfügen, je nachdem, in welcher Region sie sich niederlassen wollen. Großstädte sind teurer als das platte Land. Das Jahreseinkommen muss dementsprechend bei 50.000 bis 75.000 Australischen Dollar liegen. Ihre Liquidität müssen Sie übrigens auch sofort unter Beweis stellen, denn für das Visum allein werden 11.000 Australische Dollar fällig.

Das „Investor Retirement Visa“ ist übrigens nur für 4 Jahre gültig, kann dann jedoch gegen die Zahlung von 260 Australischen Dollar um 10 Jahre verlängert werden. Daran dürfte es dann auch nicht mehr scheitern. Eine Obergrenze für den Aufenthalt gibt es darüber hinaus nicht, solange die Visa regelmäßig verlängert werden. Dennoch dürfte diese Art des Visums für die meisten deutschen Rentner aus finanziellen Gründen kaum in Frage kommen, zumal noch Steuern auf die Rente hinzu kommen.

 

Günstige Alternativen gibt es jedoch mit etwas Glück

Wer das Geld nicht hat, für den besteht aber vielleicht die Möglichkeit, einen Australier oder eine Australierin zu heiraten. In diesem Fall kann nämlich ein Partnervisum beantragt werden. Das Partnervisum ist allerdings auch nicht ganz billig und schlägt mit 1800 Euro plus Bearbeitungsgebühren zu Buche.
Glücklich können Sie sich auch schätzen, falls eines Ihrer Kinder schon in Australien sesshaft sein sollte. In diesem Fall können Sie ein „Parent Visa“, also ein Elternvisum, beantragen. Jedoch werden Sie auch hierbei mit 3870 Australischen Dollar zur Kasse gebeten. Falls bereits ein anderer Verwandter in Australien lebt, können Sie auch ein „Age Dependent Relative Visa“ beantragen. Allerdings muss sich der entsprechende Verwandte verpflichten, für Ihren Lebensunterhalt aufzukommen, wenn Sie dies nicht aus eigener Kraft können. In diesem Fall genießen Sie dann auch unbeschränktes Bleiberecht, sollten aber nicht vergessen, das Visum alle 5 Jahre zu verlängern. Auch dieses Visum schlägt mit 3870 Australischen Dollar zu Buche.

Rentner dürfen übrigens auch ihre Pflegekräfte mit nach Australien bringen, für die dann ebenfalls ein „Carer Visa“, also ein Pflegervisum, zu beantragen ist. Dieses kostet 1595 Australische Dollar. Für 400-800 Australische Dollar, je nach Alter, können diese auch ihre Kinder mitnehmen.
Eine detaillierte Auflistung aller Visa-Formen gibt es auf der offiziellen Seite der australischen Regierung.

 

Über ein Arbeitsvisum zum dauernden Bleiberecht

Doch was kann man tun, wenn man weder vermögend ist, noch einen heiratswilligen australischen Partner oder in Australien wohnhafte Verwandte vorweisen kann? Dann sind die Aussichten in der Tat düster. Ein Schlupfloch gibt es aber noch.

Sie können versuchen, sich rechtzeitig um ein Arbeitsvisum zu bemühen und dies am besten noch vor dem Renteneintritt. In Australien gilt ohnehin ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren, obwohl mittlerweile erwogen wird, dieses auf 70 Jahre zu erhöhen. Arbeitende alte Menschen sind dort also keine Seltenheit. Allerdings wird diese Art des Visums nur in Frage kommen, wenn Sie eine besondere Fertigkeit aufweisen können, die in Australien gesucht ist. Dazu gehören zum Beispiel Manager, Architekten, alle möglichen Arten von Ingenieuren, Lehrer, Ärzte und anderes medizinisches Personal. Aber auch traditionelle Handwerker werden gesucht, vor allem Maurer, Steinmetze, Köche, Fleischer, Fliesenleger und Arbeiter in der Automobilherstellung.

Eine Liste mit allen gesuchten Berufen finden Sie hier. Haben Sie das Arbeitsvisum erst in der Hand, können Sie nach zwei Jahren einen Antrag auf ein „Permanent Resident Visa“, also ein Visum für den zeitlich unbegrenzten Aufenthalt, stellen. Damit sind Sie einem australischen Staatsbürger beinahe gleichgestellt, nur wählen dürfen Sie nicht. Nach ein paar Jahren können Sie dann fließend in die Rente übergehen.

 

Fazit: Die Chancen für einen Lebensabend in Australien sind durchwachsen

Allerdings sollten Sie realistisch bleiben. Um es noch einmal beim Wort zu nennen: Die Chancen, einen dauerhaften Aufenthalt in Australien genehmigt zu bekommen, ob nun als Rentner oder Arbeitnehmer, sind äußerst gering. Wer nicht äußerst wohlhabend ist, einen Ehepartner oder Verwandten in Australien hat oder einen Beruf gelernt hat, der in Australien äußerst gefragt und rar ist, der wird wahrscheinlich „Down under“ vor verschlossenen Toren stehen.