Über 50 und arbeitslos: Aktive Selbstzweifelbekämpfung

Über 50 und arbeitslos: Aktive Selbstzweifelbekämpfung

Vorurteile gegenüber älteren Bewerbern

Sport hält Depressionen fern. © PictureArt - Fotolia.com
Sport hält Depressionen fern.
© PictureArt – Fotolia.com

In den letzten Jahren häufen sich die Negativmeldungen für ältere Arbeitslose. Trotz Fachkräftemangels haben ältere Bewerber wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Offenbar herrscht Misstrauen gegenüber den Fähigkeiten älterer Menschen. Sie gelten als weniger leistungsbereit.

Außerdem sind viele Personalverantwortliche der Meinung, Ältere könnten beim Arbeitstempo nicht mithalten und seien weniger kreativ bei Problemlösungen. Dies sind jedoch nur Vorurteile, die einer realen Grundlage entbehren.

Ältere Arbeitnehmer haben meist besondere Stärken, wie Berufserfahrung, soziale Kompetenz, Disziplin und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Vor allem in Dienstleistungsberufen sind Teams, die aus Menschen verschiedenen Alters bestehen, von Vorteil, da Kunden und Geschäftspartner sich eher von Mitarbeitern verstanden fühlen, die ihnen ähnlich sind. Ein älterer Kunde würde sich daher von einem älteren Verkäufer besser beraten fühlen.

Da die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt und in vielen Branchen Fachkräftemangel herrscht, werden Manager in Zukunft einsehen müssen, dass die Unternehmen von der Einstellung älterer Arbeitnehmer profitieren können.

Bestandsaufnahme: die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen

Zunächst ist es empfehlenswert, eine Analyse der eigenen Fähigkeiten, Stärken und Schwächen vorzunehmen. Dies ist nicht nur wichtig, um die entsprechenden Fragen in Vorstellungsgesprächen beantworten zu können, sondern erst einmal um für sich selbst zu beurteilen, welche Tätigkeiten infrage kommen. 

Seine eigenen Stärken möglichst gut zu kennen, trägt neben einem besseren Abgleich zwischen den eigenen Fähigkeiten und der gewünschten Stelle dazu bei, trotz Arbeitslosigkeit selbstbewusst zu bleiben. Die Kenntnis der eigenen Schwächen ist wichtig, um zu wissen, welche Tätigkeiten einem nicht liegen. Außerdem sollte man auf die Frage nach Schwächen im Vorstellungsgespräch vorbereitet sein und versuchen, diese so zu beantworten, dass darin auch etwas Positives zu erkennen ist. So kann Perfektionismus von Personalverantwortlichen durchaus als positiv beurteilt werden.

Bei der Einschätzung der Fähigkeiten kann ein Coach oder ein professionelles Bewerbungstraining helfen, da es den meisten Menschen schwerfällt, sich selbst realistisch zu sehen. Eine dafür geschulte, neutrale Person kann dies häufig besser.

Manche Arbeitssuchenden über 50 müssen bei der Stellensuche Abstriche machen und sich auch für niedrigere Positionen bewerben als gewohnt. Manchmal erscheint es besser, sich auch in anderen Branchen zu bewerben als bisher oder neue Qualifikationen zu erwerben. Aufgeben sollte man jedoch keinesfalls. Besonders selbstbewusste Bewerber, die sich ihrer Stärken sicher sind, haben gute Chancen, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Vor allem sollte man sein Selbstbewusstsein nicht davon abhängig machen, ob man eine Arbeit hat oder nicht.

Entqualifizierung vermeiden: Bildungsmöglichkeiten nutzen

Falls die Arbeitslosigkeit länger andauert, verlieren die erworbenen beruflichen Qualifikationen allmählich an Wert. Daher ist es wichtig, sich weiterzubilden. Zu diesem Zweck kann beim Jobcenter oder bei der Agentur für Arbeit ein Bildungsgutschein erworben werden, der drei Monate lang gültig ist und bei einem frei gewählten Weiterbildungsanbieter eingelöst werden kann.

Die Bereiche, in denen eine Weiterbildung erfolgen kann, sind vielfältig. Neben Zusatzqualifikationen für bestimmte Berufe gibt es Angebote zu EDV und IT, Business English, kaufmännische Trainings sowie Lehrgänge zu Führung, Management und Kommunikation. Welche Weiterbildungsmöglichkeiten im Einzelfall geeignet sind, kann mit dem zuständigen Berater vom Jobcenter oder der Agentur für Arbeit besprochen werden. Darüber hinaus ist ein Bewerbungstraining für Arbeitssuchende grundsätzlich zu empfehlen.

Je nach den individuellen Qualifikationen und der angestrebten Arbeitsstelle bietet es sich möglicherweise an, ein Studium zu absolvieren. Ein Bachelorabschluss kann bereits innerhalb von sechs Semestern erreicht werden.

Praktische Tipps, um die Zeit der Arbeitslosigkeit positiv zu gestalten

Arbeit trägt für viele Menschen zum Wohlbefinden bei. Durch Arbeit wird die Tagesstruktur geregelt, die Beschäftigten sind in ein soziales Umfeld eingebunden und die Arbeit wird als sinnstiftend erlebt. All diese positiven Faktoren verschwinden durch die Arbeitslosigkeit.

Um diesen Verlust auszugleichen, sollten die Betreffenden einen geregelten Tagesablauf beibehalten, jeden Tag zur gleichen Zeit aufzustehen, die Mahlzeiten zu geregelten Zeiten einzunehmen usw. Einige Stunden des Tages, zum Beispiel der Vormittag, können für die Arbeitssuche und das Schreiben von Bewerbungen reserviert werden. Daneben sollte man sich unbedingt regelmäßig etwas Gutes zu tun und die entsprechenden Aktivitäten fest einplanen. Dies kann der Besuch eines Yoga- oder Handarbeitskurses sein, ein täglicher Spaziergang, ein Museums- oder Theaterbesuch, je nach individuellen Vorlieben.

Da mit dem Verlust der Arbeitsstelle auch soziale Kontakte weggefallen sind, ist es zu empfehlen, aus eigener Initiative Kontakte zu pflegen. Regelmäßig Verwandte und Bekannte zu treffen und gelegentlich neue Menschen kennenzulernen, ist wichtig für das Wohlbefinden und verbessert das Selbstbewusstsein. Auch die Mitgliedschaft in einem Verein, der Besuch eines Seniorencafés oder anderer Angebote für Senioren oder die Übernahme eines Ehrenamtes sind Möglichkeiten, Zeit auf angenehme Weise in Gesellschaft anderer Menschen zu verbringen. 

Ehrenamtliche Tätigkeiten können außerdem dazu beitragen, sich nützlich zu fühlen. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich zu engagieren, zum Beispiel Kinderbetreuung als Senior Au-pair, die Mithilfe in einer Kirchengemeinde oder im Tierheim. Bei der Hausaufgabenbetreuung kann Wissen an Jüngere weitergegeben werden.