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Mobbing im Alter am Arbeitsplatz: So wehren Sie sich

31. Oktober 2019

Es ist der wahr gewordene Alptraum am Arbeitsplatz: Psychoterror, Krieg, Gemeinheiten hinter dem Rücken oder eiskalte Stille. Wer Mobbing von Chefs oder Kollegen ausgesetzt ist, hat eine schwere Zeit vor sich. Sie sind in dieser Situation nicht allein. Laut der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin werden in Deutschland eine Millionen Arbeitnehmer an der Arbeitsstätte gemobbt. Die meisten Opfer sind Frauen oder ältere Angestellte.

Umso wichtiger ist es, sich gegen Mobbing zu wehren. Je früher, desto besser. Die Umfragen zeigen auch, dass die Schikane am Arbeitsplatz zu nimmt, je länger die Situation schon besteht. In diesem Artikel erläutert ein Anwalt für Sie auf Grundlage der Empfehlungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin die rechtlichen Schritte, die Sie gegen Mobbing ergreifen sollten.  

 

Wie weisen ältere Arbeitnehmer Mobbing am Arbeitsplatz nach?

Unmittelbar nach einem Vorfall sollte der Arbeitnehmer die Situation schriftlich festhalten, insbesondere wenn es nicht das erste Vorkommnis dieser Art war. Wichtig sind Angaben zum Täter, Ort, Datum und grober Zeit sowie Zeugen. 

Die Seele hat den gesunden Schutzmechanismus negative Erlebnisse zu verdrängen, doch im Falle von Mobbing hängt Hilfe manchmal von Details ab, die unbedingt festgehalten werden müssen:

  • Wie war die Situation und was hat zu ihr geführt?
  • Was hat der Mobbingtäter zu mir in welchem Ton gesagt?
  • Wie habe ich reagiert?
  • Wie ist die Situation / der Arbeitstag geendet, kam es insbesondere zu einer klärenden Aussprache?
  • Wie hat sich der Mobbingtäter in der darauffolgenden Zeit mir gegenüber verhalten?
  • Welche Kollegen teilen meine Empfindung und bezeugen die Situation?

 

Können Arbeitnehmer ihren Chef oder die Firma wegen Mobbing bei der Polizei anzeigen?

Ja, eine Strafanzeige ist gegen den Mobbingtäter möglich. Viele Arbeitnehmer sind sich nicht bewusst, dass Mobbing für den Täter, gleich ob Kollege oder Vorgesetzter, einerseits strafrechtliche Konsequenzen, andererseits auch zivilrechtliche Ansprüche bedeuten kann. Diese rechtlichen Optionen stehen Opfern von Schikane am Arbeitsplatz offen:

  • Zunächst können Angestellte ihren Vorgesetzten bei der Polizei anzeigen.
  • Wer den Gang zur Polizei scheut, kann die Anzeige auch online stellen oder
  • die Strafanzeige von einem Strafrechtsanwalt formulieren lassen.

Wichtiger Hinweis: Ob eine Strafanzeige online, auf einem Polizeirevier oder schriftlich von einem Fachanwalt für Strafrecht gestellt wird ändert nichts daran, dass alle Angaben zum angezeigten Sachverhalt wahr sein müssen. Wer unwahre Tatsachen und falsche Behauptungen über einen anderen den Strafverfolgungsbehörden meldet, macht sich strafbar u.a. wegen Vortäuschen einer Straftat, §145d StGB, Verleumdung §186 StGB.

 

Welche Strafrechtliche Konsequenzen hat Mobbing? Üble Nachrede, Beleidigung, Verleumdung

Damit die Strafanzeige gegen den Boss eine Strafverfahren auslöst, muss im Strafrecht das vorgeworfene Verhalten einen strafrechtlichen Tatbestand erfüllen: Zerstören oder Beschädigen von Sachen im Eigentum des Mitarbeiters stellt eine Sachbeschädigung (§303 StGB) dar. Depressionen, Ess- und Angststörungen aufgrund von Mobbings können von Richtern als eine Gesundheitsschädigung im Sinne des §223 StGB verstanden werden. Beschimpfungen oder Lästereien gegenüber anderen erfüllen unter Umständen den Tatbestand der Beleidigung (185 StGB) oder Verleumdung (§187 StGB).

 

Kann man Strafanzeige gegen Vorgesetzten stellen, wenn er Mobbing im Büro ignoriert?

Ja, Sie können Ihren Chef auch anzeigen, wenn er das Mobbing der Kollegen ignoriert. Viele Angestellte wissen nicht, dass Arbeitgeber sich auch strafbar machen, wenn sie zwar nicht selbst der aktive Täter sind, jedoch untätig bleiben, wenn Kollegen andere Kollegen mobben. Nimmt ein Vorgesetzter wahr, dass jemand in seinem Team von Kollegen schikaniert wird und greift nicht ein, dann kann sein Unterlassen selbst als schikanierendes Verhalten gewertet werden. 

Im deutschen Strafrecht wird nicht nur der Täter bestraft, der aktiv handelt, sondern auch solche Täter, die verpflichtet sind einzugreifen und entgegen dieser Pflicht untätig bleiben. Nach §13 StGB ist strafbar, wer 

(…) es unterläßt, einen Erfolg abzuwenden, der zum Tatbestand eines Strafgesetzes gehört, ist nach diesem Gesetz nur dann strafbar, wenn er rechtlich dafür einzustehen hat, daß der Erfolg nicht eintritt, und wenn das Unterlassen der Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestandes durch ein Tun entspricht.

Sind Chef und Unternehmensleitung untätig, wenn zum Beispiel Gegenstände des Mitarbeiters beschädigt werden oder der Mitarbeiter schikaniert wird, dann ist für die Strafbarkeit nach Sachbeschädigung durch Unterlassen, §§303, 13 StGB oder Körperverletzung (hier Gesundheitsschädigung) durch Unterlassen, §§224, 13 StGB eine Garantenstellung erforderlich. Die Garantenstellung beschreibt ein besonderes Pflichtenverhältnis, das den Täter verpflichten muss, vom Opfer Schaden abzuwenden.

 

Vorgesetzte haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Garantenstellung 

Die Garantenstellung des Arbeitgeber aus Gesetz (§ 241 BGB sowie § 75 BetrVG iVm Art. 1, 2 GG) und dem konkreten Arbeitsverhältnis: Der Chef ist zur Rücksicht auf die Rechte, Rechtsgüter (wie Unversehrtheit des Körpers und der Würde) und Interessen des anderen Teils verpflichtet” und hat somit dem Angestellten selbst keinen Schaden zuzufügen, aber auch Dritte wie Kollegen davon abzuhalten, den Bediensteten zu schädigen.

 

Wer muss den Anwalt bezahlen, wenn Chef oder Kollege wegen Mobbing angezeigt wird?

Für eine erste Einschätzung der strafrechtlichen Relevanz des Lehrerverhaltens sollte ein Fachanwalt für Strafrecht aufgesucht werden. Die Kosten der Beratung variieren stark, eine Nachfrage bei mehreren Fachanwälten für Strafrecht kann sich also lohnen, denn das Gesetz sieht in §34 Abs. 1 Satz 3 RVG lediglich eine Höchstgrenze für die Erstberatung von Verbrauchern vor: 

Für ein erstes Beratungsgespräch beträgt die Gebühr jedoch höchstens 190 Euro.

Für eine erste Beratung kann auch der Weisse Ring aufgesucht werden.

Keine Sorge vor weiteren Kosten: Wenn der Fachanwalt eine Strafanzeige empfiehlt, dann kann nach § 397 a IIi.V.m. § 406 g III StPO Prozesskostenhilfe beantragt werden und die Kosten des Anwalts werden vom Staat getragen.

Voraussetzung für die Prozesskostenhilfe im Strafrecht sind fehlende finanzielle Mittel des Opfersund die fehlende Fähigkeit seine Rechte selbst wahrzunehmen. Beides ist bei Schülern regelmäßig der Fall.

 

Kann ich Schadensersatz wegen Mobbing nach einer Strafanzeige bekommen?

Ja, das ist möglich, aber das primäre Ziel eines Strafprozesses ist kein Schadensersatzanspruch, sondern eine Bestrafung des Täters für seine schuldhafte Tat. Doch auch im Strafverfahren kann zusätzlich ein Schadensersatzanspruch geltend gemacht werden und der Arbeitnehmerspart sich den Gang zum Zivilgericht.

 

Kann ich meinen Chef auf zivilrechtlichen Schadensersatz wegen Mobbing verklagen?

Ja, ein Schadensersatzanspruch wegen Mobbing am Arbeitsplatz ist immer denkbar. Wer seinen Chef nicht wegen Mobbing strafrechtlich belangen möchte, der kann auch nur vor dem Zivilgericht einen reinen Schadensersatzanspruch einklagen. In dem Fall wird der Vorgesetzte oder Kollege nur mit einer Geldzahlung “bestraft”, wobei das Gesetz hier nicht von einem Strafcharakter der Geldzahlung ausgeht, sondern nur den Schaden des Opfers ausgleichen möchte.

Eine Mobbingklage auf Schadensersatz sollten Sie nicht ohne einen erfahrenen Fachanwalt für Arbeitsrecht einreichen. Im Zivilrecht tragen Sie als Kläger die Darlegungslast und Beweislast für alle Mobbing-Vorfälle. Sollte der Richter sich nicht von Ihren Beweisen des Mobbings überzeugen lassen, dann wird die

 

Wieviel Schadensersatz bekommen Arbeitnehmer bei Mobbing?

Die Höhe des zivilrechtlichen Schadensersatzanspruches wegen Mobbings (Körper- oder Gesundheitsschädigung sowie erlittener Schmerzen) legt das Gericht Fall zu Fall individuell fest. In manchen Urteilen zum Schmerzensgeld wegen Mobbing am Arbeitsplatz wurden bis zu 50.000 Euro bei mehrjähriger, intensiver Schikane zugesprochen.

 

Habe ich einen Anspruch auf eine Abfindung wegen Mobbing?

Ja, ein Anspruch auf eine Abfindung kann im Einzelfall bestehen. Die Höhe ist maßgeblich bestimmt durch die Schwere und Dauer des Mobbing, es kann aber auch Einfluss haben, wie lange der ausscheidende Mitarbeiter dem Betrieb angehört hat. Arbeitnehmer haben meist eine schlechte Einschätzung, ob und wieviel Abfindung ihnen zustehen könnte und verzichten dadurch faktisch auf viel Geld. Für eine angemessene Abfindung im Falle einer Kündigung oder Auflösungsvertrags sollten Sie sich immer von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht vertrauensvoll beraten lassen.

Lesen Sie in diesem Artikel alles was Sie unbedingt zur Abfindungen bei Mobbing wissen müssen. 

 

Ist eine Versetzung des Mobbingopfers an anderen Arbeitsplatz als Lösung?

Nein, aus gesellschaftlicher und ethischer Sicht irritiert es immer wieder, wie häufig Mitarbeiter in Gesprächen mit Chefs, Betriebsrat oder Beratungsstellen erleben müssen, dass als Problemlösung vorschlagen wird, dass der gemobbte Mitarbeiter in eine andere Abteilung versetzt werden könnte. Das damit gesetzte Zeichen ist fatal: Der Mobbingtäter verbleibt im gewohnten Arbeitsumfeld, das Mobbingopfer wird zum Gehen gebracht. 

Ob für Sie der richtige Weg eine Versetzung ist, können Sie nur persönlich entscheiden. Wenn Sie sich die Frage Gehen oder Bleiben stellen, dann lassen Sie sich nicht überrumpeln:

  • Was möchten Sie? Gehen oder bleiben?
  • Was ist Ihr berufliches Ziel? Für was möchten Sie ihre Energie einsetzen? 

Wenn Sie sich zum Gehen entscheiden, dann bitte “nicht unter Wert”: Erkundigen Sie sich bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht, ob Ihnen eine Abfindungszahlung auch bei einem Wechsel der Abteilung zustehen könnte.

 

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