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Habe ich einen Anspruch auf Abfindung bei Mobbing im Alter?

31. Oktober 2019

Sie werden am Arbeitsplatz gemobbt und schikaniert, sind Opfer von Intrigen? Sie entscheiden sich zu gehen und Ihren beruflichen Weg in einem anderen Unternehmen fortzusetzen? Tun Sie Ihrem Arbeitgeber nicht den Gefallen zu kündigen und ohne Abfindungszahlung zu gehen. In vielen Konstellationen steht dem schikanierten Arbeitgeber ein Anspruch auf eine Entlassungsentschädigung zu. Dies gilt insbesondere bei Mobbing gegen ältere Mitarbeiter und damit auch Verstößen gegen das Antidiskriminierungsgesetz.

 

Wie schaffe ich es eine Abfindung wegen Mobbing im Alter zu erhalten?

Sie erhalten eine Abfindung meist unter den folgenden Voraussetzungen: 

  • Es liegt schweres Mobbing über einen mehrmonatigen Zeitraum oder
  • intensiveres Mobbing über einige Wochen vor.
  • Der Arbeitgeber siganalisiert oder sagt ausdrücklich, dass er das Mobbing nicht bekämpfen will, sondern lieber Sie als Mobbingopfer gehen lassen will.
  • Sie haben einen auf Abfindungsverhandlungen bzw. Mobbing spezialisierten Anwalt, in der Regel also einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

 

Wie bekommen Sie eine höhere Abfindung?

  • Verstöße gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz wirken sich positiv auf die Höhe der Abfindung aus.

 

Brauche ich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht um eine Abfindung als Mitarbeiter über 60 zu erhalten?

Ja, unbedingt. Der wichtigste Schritt zum erfolgreichen Aushandeln einer Abfindung ist der Gang zu einem erfahrenden Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er wird für Sie die bestmöglichen Bedingungen durchsetzen. Dies für den Anwalt anfallenden Kosten werden sich für Sie in der überwiegenden Anzahl der Fälle sehr lohnen. Die Praxis zeigt, dass eigene Verhandlungen des Arbeitnehmers mit dem Arbeitgeber selten erfolgreich sind und der Mitarbeiter sein “Ausscheiden” unter Wert verkauft. Dies gilt insbesondere für Mitarbeiter über 50 Jahren, deren Selbstwert unter dem Mobbing weiter gelitten hat. 

 

Muss man eine Abfindung einklagen oder geht es ohne Gericht?

Nein, in der Regel nicht. Eine Abfindung wird im Idealfall im Auflösungsvertrag verhandelt und geregelt. Vor Gericht müssen Sie meist nur, wenn das Arbeitsverhältnis bereits ohne Abfindung gekündigt oder aufgelöst wurde. Es ist empfehlenswert die Frage der Abfindung im Auflösungsvertrag zu klären, da Verfahren am Arbeitsgericht lange dauern und die Ungewissheit eines schwebenden Verfahrens Sie psychisch belasten können.

Soll erst das Gericht über die Abfindung entscheiden, dann kann das Gerichtsverfahren für den Arbeitnehmer schwierig werden: Sie möchten eine Abfindung und müssen den Arbeitgeber verklagen. Als Kläger müssen Sie darlegen, warum die einen Anspruch auf die Abfindung haben und alles was Sie vortragen auch beweisen können.

Diese Darlegungslast und Beweislast des Klägers ist bei Mobbingklagen meist schwer zu erfüllen: Sie brauch für jede erlebte Schikane genaue Angaben zu Ort, Zeit, was wurde genau gesagt usw. und zusätzlich Beweise, wie Zeugen, die den konkreten Mobbingvorfall miterlebt haben. Urkunden, wie beleidigende E-Mails, Notizzettel etc. können auch als Beweis genutzt werden.

 

Ich will wegen Mobbing am Arbeitsplatz kündigen – was soll ich beachten?

Überlegen Sie sich – am besten mit Hilfe eines erfahrenen Arbeitsrechtsanwalts – was Sie für sich erreichen möchten. Wer seinen Arbeitsplatz wegen Mobbing aufgibt, muss zwei wichtige Punkte beachten:

  • Wird mein erlittener (materieller oder immaterieller) Schaden angemessen ausgeglichen?
  • Wie kann ich meinen beruflichen ohne Nachteile fortsetzen?

 

Dafür sollten Sie folgende Optionen neben einer Abfindung oder Entlassungsentschädigung zusätzlich in Betracht ziehen:

 

Kann ich Freistellung unter Fortzahlung der Vergütung wegen Mobbing verlangen?

Ja, eine solche Regelung kann ausgehandelt werden. Sie verlassen das Unternehmen unmittelbar und erhalten das reguläre Gehalt während der Kündigungsfrist, also regelmäßig drei Monate. Diese Zahlung stellt keine Abfindung dar, sondern Sie werden lediglich von Ihrer Pflicht zur Erbringung einer Arbeitsleistung entbunden.

Vorsicht: Zahl der Arbeitgeber den Lohn fort, dann sind Sie in diesem Zeitraum in der Regel nicht berechtigt Arbeitslosengeld zu beziehen. Der Anspruch auf ALG 1 besteht erst nach dem Ende der Fortzahlung.

 

Kann ich ein guten Arbeitszeugnisses verlangen, dass keinen Hinweis auf das Mobbing enthält?

Ja, Sie haben einen Anspruch auf ein wohlwollendes Arbeitszeugnis ohne Ausführungen zu dem erlittenen Mobbing. Achten Sie unbedingt auch auf uneindeutige Formulierungen, die einen Hinweis auf das Mobbing enthalten können. Bei Zweifeln legen Sie das Zeugnis einem Fachanwalt für Arbeitsrecht vor oder fragen Sie bei Ihrer Gewerkschaft nach, falls Sie Gewerkschaftsmitglied sind.

 

Wie verhindere ich eine Sperrzeit durch die Agentur für Arbeit bei einer Kündigung wegen Mobbing?

Wenn Sie sich zu einer Kündigung entscheiden, dann wird Ihnen vom Arbeitsamt regelmäßig eine Sperrzeit auferlegt. In diesem Zeitraum können Sie kein Arbeitslosengeld erhalten. Die Agentur für Arbeit wird Ihnen nach Ihrer Meldung als arbeitslos bzw. arbeitssuchend einen Fragebogen zuschicken, indem Sie Ausführungen zu den Umständen und Gründen für Ihre Kündigung machen können.

Meistens wird die Sperrzeit aufgehoben, wenn Sie logisch erklären können, was Sie durchmachen mussten, wie Sie systematisch gemobbt wurden und deswegen sich gezwungen sahen, das Arbeitsverhältnis zu kündigen.

 

Kann man nach der Kündigung durch den Arbeitnehmer wegen Mobbing im Alter noch eine Abfindung erhalten?

Ja, auch nachdem Sie bereits gekündigt haben, ist eine Abfindungszahlung noch möglich. Sie benötigen hierfür in jedem Fall die Unterstützung eines erfahrenen Fachanwalts für Arbeitsrecht. Wenn Sie sich selbst an Ihren ehemaligen Arbeitgeber mit dem Wunsch eines Ausgleichszahlung wenden, dann werden Sie mit Sicherheit hören, dass alle Fragen zu Ihrem Arbeitsverhältnis abschließend geklärt seien.

 

Kann ich bei einer Kündigung durch den Chef eine Abfindung verlangen?

Ja, Sie haben als Mobbingopfer in dieser Konstellation gute Aussichten auf ein angemessene Abfindung. Wenn Sie nach Mobbing gekündigt werden oder wurden, dann sollten Sie sich unbedingt einen Experten zur Unterstützung an Ihre Seite holen. Nach den erlebten Demütigungen und Schikanen sind Arbeitnehmer meist mental geschwächt und können für ihre eigenen Rechte und Interessen nicht optimal kämpfen. Geben Sie Ihrem Vorgesetzten keine Chance leicht davon zu kommen und lassen Sie sich von einem erfahrenen Fachanwalt für Arbeitsrecht vertreten.

 

Wie finde ich einen Anwalt, der Erfahrung mit Entlassungsentschädigung und Mobbing hat?

Ein kompetenter Anwalt ist in rechtlichen Streitigkeiten der Schlüssel zum Erfolg. Fragen Sie bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht ausdrücklich nach, ob die Kanzlei und der Anwalt persönlich bereits Mobbingopfer als Mandanten hatte, welche Strategien er / sie bei der Verhandlung von Abfindungen anwendet, welche Abfindungen er / sie bereits aushandeln konnte.

Nehmen Sie keinen unerfahrenen, allgemeinen Anwalt – Sie brauchen für eine gute Abfindungszahlung einen Experten!  

 

Kann ich Schmerzensgeld verlangen, wenn ich wegen meines Alters diskriminiert wurde?

Ja, aber Sie müssen sich bei einem Gerichtsprozess gut vorbereiten um Erfolg zu haben. In der Theorie kann ein Anspruch auf Schadensersatz, zB §280, §241 iVm §253 BGB schnell erfüllt sein:

Ist wegen einer Verletzung des Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung Schadensersatz zu leisten, kann auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld gefordert werden.

Aber Vorsicht: Wer Schmerzensgeld einklagt, der muss darlegen und beweisen, dass der Anspruch besteht. Eine Schmerzensgeldklage ist nur sinnvoll, wenn Ihr Fachanwalt für Arbeitsrecht der Meinung ist, dass Sie genügend Details und Beweise für das erlittene Mobbing haben. 

 

Wie hoch ist eine Abfindung bei eine Aufhebungsvertrag?

Bei einem Aufhebungsvertrag gilt die Regel, dass für jedes Jahr der Betriebszugehörigkeit ein halbes Monatsgehalt (0,5 Monatsgehalt) gegeben wird. Wird der Auflösungsvertrag mit einem Mobbingopfer geschlossen, dann sollte die Anwendung dieser Faustregel nicht akzeptiert werden, da sie nur die Nachteile einer Aufhebung kompensiert, nicht aber das erlittene Mobbing abdeckt.

Die Höhe der Entlassungsentschädigung bei Mobbing hängt von der Intensität und Dauer des Mobbings ab. Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihr Vorgesetzter das Mobbing bestreiten und alle Vorfälle verharmlosen wird. Lassen Sie Ihre Rechte von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht durchsetzen, es wird einen spürbaren Unterschied in der Höhe der Ausgleichszahlung machen.

 

Ist eine Abfindungszahlung steuerfrei?

Nein, eine Abfindungszahlung muss nach deutschem Recht versteuert werden und wird nach §34 EStG als außerordentliche Einkünfte behandelt. Hingegen fallen in der Regel keine Sozialversicherungsbeiträge auf die Entlassungsentschädigung für ältere Mitarbeiter an.

Lassen Sie sich von einem Lohnsteuerhilfeverein beraten, wie Sie Steuern auf Ihre Entlassungsentschädigung vermeiden können. Der Steuerberater kennt hier einige Tipps.

 

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