Muss das Testament eigenhändig geschrieben sein?

handschriftliches testament
Kann oder muss sogar das Testament handschriftlich verfasst sein?

Das eigenhändige Testament – handschriftliches für die Erben

Das Testament, oder auch die letztwillige Verfügung, dient dem Erblasser, neben den gängigen Gesetzen im Erbschaftsrecht, sein Vermögen über den eigenen Tod hinaus auf Angehörige und Drittpersonen zu verteilen. Zusätzlich können Auflagen, Enterbungen einer Person, der ein Pflichtteil zusteht, Anordnungen zur Vollstreckung oder Aussetzungen des eigenen Vermächtnisses festgehalten werden.

Besonders bei Enterbungen oder dem Pflichtteilsentzug, der Angehörigen nach den §§ 1924 BGB bis 1926 BGB zusteht, sollte ein fachkundiger Anwalt für Erbrecht oder ein Notar hinzugezogen werden. Dieser kann ebenfalls bei der Erstellung des Schriftstückes beratend zur Seite stehen. Sollten Ihnen der Aufwand zu groß sein oder wollen Sie aus anderen Gründen keinen Anwalt oder Notar konsultieren, können sie ein „eigenhändiges Testament“ verfassen.

 

Handschrift ist Pflicht – kein Schriftstück für Computer oder Schreibmaschine

Um ein eigenhändiges Testament aufzusetzen, bedarf es als Arbeitsmaterial lediglich eines Stiftes und einer leeren Seite Blatt Papier. Zusätzlich müssen die Bedingungen, welche in § 2247 Absatz 1-5 BGB festgehalten sind, erfüllt werden und die Testierfähigkeit nach § 2229 BGB festgestellt sein. Ist dies nicht der Fall, droht bei Vollstreckung Ihres Testamentes die Ungültigkeitserklärung. Im Falle einer unterschiedlichen Verteilung des Nachlasses müssen sich die Erben untereinander einigen, ansonsten verfährt der ausführende Notar nach der gängigen Regelung des Erbrechtes im BGB, festgehalten in den §§ 1922 ff. BGB.

§ 2247 Absatz 1 setzt bei einem eigenhändigen Testament die handschriftliche Erstellung des Schriftstückes voraus. Dies dient der Identifizierung nach dem Tod des Erblassers. Wichtig zu wissen ist, dass dies, technische Geräte, wie Computer oder Schreibmaschinen, zum Verfassen ausschließt. Ein maschinengeschriebenes Testament, das trotzdem mit Datum und Unterschrift versehen ist, ist trotz Ihrer Signatur nicht gültig. Im handgeschriebenen Vermächtnis müssen nach Absatz 2 des § 2247 BGB zusätzlich der Zeitpunkt (Tag, Monat, Jahr) und der Ort, an welchem die Erklärung verfasst wurde, angegeben werden. Dies dient der Sicherstellung, dass anhand von Ort- und Datumsangabe das jeweils aktuellste Schreiben Ihres letzten Willens zur Vollstreckung herangezogen wird.

Ebenso wie bei fast allen Rechtsgeschäften stellt die Unterschrift die Willenserklärung des Verfassers im Testament dar. Diese muss nach § 2247 Absatz 3 den Vor- und Familiennamen des Erblassers enthalten. Alternativ können Kose- oder Künstlernamen verwendet werden, sofern diese eine einwandfreie Identifizierung Ihrer Person zulassen.

 

Weitere Einschränkungen – Minderjährige und Analphabeten

Nach § 2247 Absatz 4 BGB kann ein eigenhändiges Testament nur von Volljährigen Personen erstellt werden. Die grundsätzliche Testierfähigkeit beginnt nach § 2229 Absatz 1 mit dem 16. Lebensjahr, erfordert aber einen Notar, der die Erstellung eines öffentlichen Testamentes durchführt.

Da es sich bei einem eigenhändigen Testament um ein handgeschriebenes und vom Erblasser selbst verfasstes Schriftstück handelt, sind Personen, die Geschriebenes nicht lesen und verstehen können ebenfalls von der Erstellung ausgeschlossen, da die Möglichkeit zum Betrug durch Dritte gegeben ist. Diese Einschränkungen dienen der Sicherstellung, dass Sie als Erblasser ohne Einfluss durch Fremde oder Verwandte Ihren letzten Willen verfassen können.

 

Wissenswertes zum eigenhändigen Testament – Vor- und Nachteile, Drittperson als Schreiber

Die Vorteile eines eigenhändigen Testamentes liegen klar auf der Hand, eine Drittpartei, respektive der Notar, ist zu Erstellung nicht notwendig – Kosten fallen somit nicht an. Falls Sie ein öffentliches Testament bevorzugen, richtet sich der entstandene Aufwand nach dem Wert der Erbmasse. Bei 100.000 Euro können für den Notar bis zu 270 Euro anfallen. Die Verfassung eines selbst geschriebenen Testamentes bedarf keines Termins oder eines bestimmten Zeitpunkts. Ort und Zeit der Erstellung können Sie frei wählen und behalten ein großes Maß an Flexibilität. Änderungen sowie die Vernichtung des Schriftstückes lassen sich ebenso leicht vornehmen wie die Erstellung, da Sie jederzeit Zugriff auf Ihren letzten Willen haben. Sollte Ihnen die Verwahrung zu Hause zu unsicher sein, ist es möglich, das Schriftstück dem örtlichen Amtsgericht zur Verwahrung auszuhändigen.

Die größte Gefahr, die bei einem eigenhändigen Testament bestehen kann, sind Formfehler, die das Schriftstück unwirksam oder unklar werden lassen. Informieren Sie sich deshalb umfassend über die richtige Schriftform sowie formale Vorgaben, damit Ihr Letzter Wille genauso ausgeführt wird, wie Sie es sich wünschen. Bei der Aufbewahrung zu Hause besteht der zusätzliche Nachteil, dass im Falle Ihres Todes, die Erben das Testament gar nicht oder zu spät zu finden und eine Vollstreckung somit nicht oder nur mit großem Aufwand möglich ist, es empfiehlt sich, eine Person Ihres Vertrauens hinzuzuziehen oder einen Hinweis zu hinterlassen, wo das Schriftstück zu finden ist.

Im § 2247 BGB ist eindeutig geregelt, dass das eigenhändige Testament vom Erblasser selbst zu verfassen ist, da ansonsten eine authentische Vollstreckung des letzten Willens nicht gegeben sein muss. Somit ist ein Vermächtnis, das Sie einer dritten Person diktiert haben und es von ihr niedergeschrieben wurde ebenfalls ungültig. Das Oberlandesgericht Frankfurt bestätigte diese Entscheidung in einem Fall vom 12.12.2013. Ebenso darf weder die Hand des Schreibenden geführt noch anderweitig in die Verfassung des Textes eingegriffen werden. Das Halten des Blocks oder der Schreibunterlage ist dagegen rechtlich in Ordnung.

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