Vergesslichkeit im Alter: Was ist normal, was bedenklich?

Vergesslichkeit im Alter: Was ist normal, was bedenklich?

 

Gewisse Gedächtnislücken sind im Alter normal, bei anderen sollte man hellhörig werden.
Gewisse Gedächtnislücken sind im Alter normal, bei anderen sollte man hellhörig werden.

Die Themen Alzheimer und Demenz treten früher oder später in das Leben eines jeden Menschen – sei es durch Zeitungsartikel, Freunde, Familienmitglieder oder im schlimmsten Fall durch die eigene Betroffenheit.

Doch zu viele Informationen können auch dazu führen, dass sich Ängste entwickeln, wo längst noch keine angebracht sind. Denn Fakt ist: Generell ist eine nachlassende Gedächtnisleistung im Alter erst einmal nichts Ungewöhnliches. Auf einige Punkte sollten Sie dennoch achten, um bei Bedarf rechtzeitig Maßnahmen ergreifen zu können.

Wie verändert sich das Gehirn im Laufe des Lebens?

Die Entwicklung des Gehirns beginnt bereits lange vor der Geburt, nämlich in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft. In dieser sehr frühen Entwicklungsphase bis zur Geburt ist das Hirn besonders anfällig für äußere Einflüsse. Aus diesem Grund sollten schädliche Substanzen in dieser Zeit unbedingt gemieden werden.

Doch die rasante Entwicklung setzt sich in den ersten beiden Lebensjahren fort: Die Dicke der Nervenfasern nimmt zu, Nervenbahnen entstehen, Reaktionen auf Umweltreize entwickeln sich und die Körperkontrolle wird immer besser. Hinzu kommt bis zum fünften Lebensjahr noch die Entwicklung des Erinnerungsvermögens.

Die wichtige Prägungsphase ist abgeschlossen, nachdem Kinder auch Fähigkeiten wie soziales Verhalten und logisches Denken entwickelt und nicht zuletzt auch ein grundlegendes räumliches, mathematisches und sprachliches Können vorliegt. Nun beginnt die Optimierung des Hirns.

Erhalten bleibt nur, was regelmäßig genutzt oder trainiert wird. Dass Sie im Laufe des Lebens bestimmte Dinge wieder vergessen oder verlernen, ist also eine ganz normale Entwicklung. Doch die gute Nachricht lautet: Bis ins hohe Alter ist das Gehirn lern- und entwicklungsfähig, wenngleich die Hirnleistung bereits ab dem 40. Lebensjahr natürlicherweise abnimmt. 

Nachlassende Leistungsfähigkeit 

Nimmt die Leistungsfähigkeit des Gehirns ab, dann fällt es Menschen schwerer, Verschiedenes gleichzeitig wahrzunehmen, komplexe Aufgaben zu erfüllen oder sich mehrere Dinge zu merken.

Das erste Anzeichen für ein schwächeres Hirn ist meist ein nachlassendes Kurzzeitgedächtnis. Sie benötigen für den Einkauf nun einen Notizzettel oder sehen sich gezwungen, auch andere Informationen schriftlich festzuhalten. Das ist jedoch längst kein Grund zur Unruhe. Es handelt sich um ganz normale Verschleißerscheinungen, denen Sie jedoch mit gezieltem Training noch entgegenwirken können. Doch wichtiger als das panische Trainieren ist die genaue Analyse der Gründe, die für die zunehmende Vergesslichkeit verantwortlich sein können.

Das Alter als alleiniger Grund?

In einem gewissen Rahmen ist das Nachlassen der Hirnleistung ein natürlicher Prozess. Doch er kann durch Sie verzögert oder beschleunigt werden. Natürlich können Unfälle und Verletzungen dazu beitragen, dass das Gehirn leidet. Auch ein Hirninfarkt bzw. Schlaganfall kann eine rapide Verschlechterung zur Folge haben. Doch darüber hinaus sind auch eine falsche Ernährung, Durchblutungs- oder Stoffwechselstörungen, andere Medikamente oder psychische Krankheiten für die Entwicklung des Hirns mitverantwortlich.

Ängste, Depressionen oder Stress tun ihr Übriges. Fallen Ihnen selbst gravierende Veränderungen auf oder weist Sie jemand aus Ihrem Umfeld darauf hin, dann scheuen Sie sich nicht, medizinischen Rat zu suchen. Nicht immer ist das Alter verantwortlich.

 

Welche Anzeichen sind bedenklich? 

Konzentrationsschwächen und Vergesslichkeit sind längst kein Anzeichen beginnender Demenz. Besonders aufmerksam sollten Sie jedoch sein, wenn die Symptome bereits im Alter von deutlich unter 60 Jahren beginnen.

Halten die Probleme über Monate an oder verschlimmern sich sogar, sollten Sie dies in jedem Fall ernst nehmen. Erlebnisse oder Gespräche werden zum Beispiel gänzlich vergessen, Sie können Gesprächen oder Anweisungen immer schlechter folgen oder vergessen immer häufiger, welcher Tag heute ist und was Sie tun wollten? Diesen Symptomen sollten Sie dringend nachgehen und ärztlichen Rat suchen. Medikamente helfen in der Regel noch sehr gut, die Hirnleistung zu erhalten, sofern sie früh genug eingenommen werden.

Vereinzeltes Vergessen von Namen, Telefonnummern oder einer Sache beim Einkaufen ist hingegen in der Regel unbedenklich, sofern Sie sich mit etwas Nachdenken nach einiger Zeit wieder daran erinnern können. 

 

Was kann man selbst tun?

Fällt Ihnen auf, dass Sie Probleme beim Merken und Erinnern haben, dann führen Sie zunächst darüber Buch. Halten Sie über zwei bis drei Wochen fest, wobei Sie Probleme hatten. Danach stellen Sie möglicherweise fest, dass das Vergessen wesentlich seltener vorkommt, als Sie vermutet haben. Andernfalls können Sie Ihre Aufzeichnungen einem Facharzt vorlegen und sich dazu beraten lassen.

Um die Leistungsfähigkeit zu verbessern, sollten Sie zudem auf eine ausgewogene und gesunde Ernährung achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen und Ihr Hirn jeden Tag fordern, indem Sie zum Beispiel eine halbe Stunde Zeitung lesen und danach noch einmal das Gelesene zusammenfassen. Möglicherweise stellen Sie mit Ihren Aufzeichnungen dann schon fest, dass die Momente des Vergessens weniger werden.