Umschulung oder zweite Ausbildung mit 50plus?

Umschulung oder zweite Ausbildung mit 50plus?

Für eine neue berufliche Perspektive ist es nie zu spät.
Für eine neue berufliche Perspektive ist es nie zu spät.

Die Gründe, im Alter über 50 noch einmal ein neues Berufsfeld zu erobern, sind sicher sehr unterschiedlich. Möglicherweise sind Sie in Ihrem aktuellen Beruf nicht mehr zufrieden. Vielleicht suchen Sie in einer Phase der Arbeitslosigkeit auch ein neues Betätigungsfeld oder sind gezwungen, sich den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes besser gerüstet zu stellen.

Unabhängig davon, was Sie zu einer neuen Ausbildung oder einer Umschulung motiviert – dieser Entschluss stellt einen großen Schritt im Leben dar. Welche Aspekte Sie beachten sollten, wenn Sie ein neuer Beruf interessiert oder Sie aus unterschiedlichen Gründen eine Umschulung antreten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Ausbildung, Umschulung oder zweite Ausbildung?

Um eine reguläre Ausbildung zu beginnen, genügt ein Schulabschluss. Dementsprechend finden sich in Ausbildungen vor allem junge Menschen, die ihren ersten Beruf erlernen. Teilnehmer einer Umschulung hingegen haben in der Regel bereits eine abgeschlossene Ausbildung. Während eine Ausbildung meist drei Jahre dauert, wird eine Umschulung meist nach kürzerer Zeit abgeschlossen. Schließlich verfügen die sogenannten Umschüler bereits über vielfältige Vorkenntnisse.

Zudem gibt es für eine Umschulung keine Altersgrenze. Der Unterricht findet in einer fachspezifischen Schule statt. Meist sind Praktika in Unternehmen enthalten. Eine zweite Ausbildung ist hingegen etwas anders organisiert. Sie bewerben sich regulär bei einem Arbeitgeber und nehmen im gleichen Rhythmus wie alle anderen Auszubildenden an schulischer Theorie und praktischer Arbeit teil.

Zudem wird die Ausbildung vergütet, während bei der Umschulung häufig Schulgebühren fällig werden und kein Einkommen erwirtschaftet wird. Welcher Weg der für Sie richtige ist, hängt sehr vom gewünschten Beruf und dem dortigen Bedarf an Arbeitnehmern ab. Ältere Auszubildende erfreuen sich jedoch zunehmend größerer Beliebtheit, sodass eine Bewerbung und ein Gespräch mit dem Arbeitgeber durchaus lohnend sein können.

Eine zweite Ausbildung ist im Übrigen ebenfalls kürzer als eine erste und kann bereits nach zwei Jahren mit dem erfolgreichen Abschluss beendet werden. Klären Sie Einzelheiten diesbezüglich mit der Schule und dem Arbeitgeber.

Anfallende Kosten kalkulieren

Als Auszubildender in einem Betrieb erhalten Sie natürlich auch eine Vergütung. Diese wird sich nicht von dem dort üblichen Lehrlingsgehalt unterscheiden. Wird die Dauer Ihrer zweiten Ausbildung auf zwei Jahre verkürzt, erhalten Sie das Gehalt des regulären ersten und schließlich zweiten Lehrjahres. Der Besuch der berufsbildenden Schule ist für Sie kostenfrei. Entscheiden Sie sich für diesen Ausbildungsweg, bleiben die Kosten für Sie überschaubar und Sie verfügen über ein stabiles Einkommen.

Ziehen Sie eine Umschulung in Erwägung, gestaltet sich die Finanzierung schwieriger. Da Sie an kein Unternehmen gebunden sind, sondern lediglich Praktika in verschiedenen Betrieben absolvieren oder aber die praktischen Übungen direkt in der Schule durchführen, erhalten Sie keine Ausbildungsvergütung. Vielmehr müssen Sie vielerorts mit der Erhebung von Schulgeld in den privaten Bildungseinrichtungen rechnen. Die individuellen Kosten unterscheiden sich je nach Schule.

Erfragen Sie diese also rechtzeitig und entscheiden Sie dann, welchen Weg der Ausbildung Sie bevorzugen. Mitunter werden die Begriffe zweite Ausbildung und Umschulung jedoch auch synonym verwendet. Achten Sie jedoch im konkreten Fall auf die Unterschiede zwischen einer dualen Ausbildung (ein Unternehmen mit fester Vergütung) und einer schulischen Ausbildung.

Finanzierung der Ausbildung

Verfügen Sie während Ihrer zweiten Ausbildung oder der Umschulung über kein Einkommen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Berufsausbildungsbeihilfe (ähnlich dem BAföG für Studierende) steht Ihnen in der zweiten Ausbildung oder Umschulung nicht mehr zu.

Sie können jedoch Wohngeld beantragen. Dies ist im Übrigen auch dann möglich, wenn Ihr Einkommen während einer dualen Ausbildung zu gering ist. Ferner gibt es die Möglichkeit, als Schüler einer Fachschule oder einer Berufsakademie einen Bildungskredit zu beantragen. Sind Sie aus gesundheitlichen Gründen dazu gezwungen, eine Umschulung bzw. eine zweite Ausbildung durchzuführen, bestehen weitere Finanzierungsmöglichkeiten.

Kostenübernahme durch die Rentenversicherung oder die Bundesagentur für Arbeit

Sind Sie bereits länger als sechs Monate krank und können nachweislich in Ihrem erlernten Beruf fortan nicht länger als drei Stunden täglich arbeiten, besteht die Möglichkeit, über den jeweiligen Rentenversicherungsträger eine Umschulung zu beantragen. Bei Ablehnung aus Altersgründen ist es ratsam, Widerspruch einzulegen. Dieser Weg ist jedoch nur empfehlenswert, wenn Sie sich sicher sind, einen neuen Beruf tatsächlich erlernen zu wollen.

Bei bestehender Arbeitslosigkeit kann die Bundesagentur für Arbeit zur Finanzierung einer Umschulung herangezogen werden. Allerdings müssen Sie bereits über einige Jahre Berufspraxis in Ihrem bereits erlernten Beruf verfügen und die zuständigen Stellen davon überzeugen, motiviert und zielstrebig an die Ausbildung heranzugehen. Dann werden Ihnen der Lebensunterhalt finanziert und Ausbildungskosten via Bildungsgutschein übernommen.

Umstellung auf eine neue Lebensphase

Wenn Sie eine zweite Ausbildung oder eine Umschulung beginnen möchten, werden Sie sich mit einigen neuen Anforderungen konfrontiert sehen. Allein das mehrstündige tägliche Lernen im Schulbetrieb ist für viele ältere Menschen eine große Umstellung. Auch das Erarbeiten und Erlernen von Unterrichtsstoff erfordert viel Arbeit und Konzentration.

Dazu kommt, dass Sie als Auszubildender anderen rechtlichen Vorgaben unterliegen als die Angestellten. Mit persönlicher Offenheit, der Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem, Durchsetzungsfähigkeit und Fleiß haben Sie jedoch sehr gute Chancen, auch diese neue Phase in Ihrem Leben gut zu meistern und die neuen Erfahrungen im Beruf zu genießen.