Die Umschulung zum Postboten/ zur Postbotin

Briefträger haben einen beneidenswerten Job: so viel frische Luft bekommen wohl die wenigsten Angestellten.

Briefträger und Postboten sind unverzichtbare Helfer der täglichen Kommunikation. Auch wenn der Briefverkehr durch die neuesten modernen Kommunikationsmittel stark zurückgegangen ist und weniger private Post verschickt wird, ist die Zustellung von Briefen, Dokumenten und Paketen immer noch ein wichtiger Teil des alltäglichen Lebens. Offiziell nennen sich die austragenden Personen Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen, sie sind verantwortlich für den reibungslosen Weg einer Sendung, der die gesamte Dauer vom Absender bis zum Empfänger beinhaltet.

Oft verfügen Postboten über feste Routen, das ist sinnvoll, da so die Straßen und Zustellwege besser bekannt sind und die Austragungen schneller abgewickelt werden können. Zudem können sie auch im Innendienst eingesetzt werden: Das beinhaltet die Entgegennahme von Sendungen, deren ordnungsgemäße Frankierung sowie die Beratung von Kunden etwa für die Versandart von Paketen. Auch Reklamationen oder sonstige Anliegen werden an die Mitarbeiter in den Postfilialen herangetragen, sie koordinieren zudem die verschiedenen Zustellrouten und den effektiven Einsatz der zu Verfügung stehenden Kräfte.

 

Die beruflichen Aussichten für Briefträger in Deutschland

Wie bereits erwähnt ist das Aufkommen privat verschickter Post in den letzten Jahren zurückgegangen. Auch das Aufkommen geschäftliche Briefe oder das Verschicken von Kontoauszügen und Co hat sich durch technische Alternativen verringert, E-Mails und elektronische Benachrichtigungen haben diese vielerorts ersetzt.

Durch den verstärkten Online-Handel, der in industrialisierten Ländern wie Deutschland inzwischen einen großen Teil des Umsatzes im Einzelhandel ausmacht, gehen jedoch immer mehr Pakete und Päckchen auf die Reise zu den Kunden. Von elektronischen Geräten über Mode- und Schmuckartikel bis hin zu Lebensmitteln und Getränken ist inzwischen fast alles online zu erwerben, das schlägt sich in den Zahlen der versendeten Pakete nieder. So wurden im Jahr 2015 rund 1.200 Millionen Sendungen verschickt, zwei Jahre später waren es bereits 1.350 Millionen. Durch das hohe Wachstum des Online-Shoppings und der Käufe auf Distanz wird dieser Markt in Zukunft noch expandieren.

 

Die Voraussetzungen für eine Ausbildung oder Umschulung zum Postboten

Um Briefträger bzw. Postbote zu werden, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein. Dazu gehören unter anderem absolute Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, ein serviceorientiertes Auftreten, psychische Stabilität um stressige Phasen wie etwa Weihnachten zu verkraften, Bereitschaft zu Überstunden und ein Auge für organisatorische Aspekte. In vielen Fällen übernehmen die Postboten die Sortierung der Pakete vor dem Beginn der Auslieferungsroute, damit soll sichergestellt werden, dass nahe beieinander liegende Adressen auch im Postauto gemeinsam gruppiert werden und so keine wertvolle Zeit beim Suchen der Sendungen verloren geht.

Viele ausbildende Unternehmen wie die Deutsche Post oder DHL setzen zudem einen Hauptschulabschluss voraus, der Fokus liegt hierbei auf naturwissenschaftlichen Fächern oder Mathematik. Auch ein Führerschein sollte beim Antritt der Ausbildung vorliegen, viele Unternehmen unterstützen allerdings ihre Azubis bei dessen Finanzierung im Laufe der Ausbildung.

Ein absolutes Muss jedoch für alle angehenden Postboten, die eine entsprechende Umschulung absolvieren wollen, ist ein Grundmaß an körperlicher Fitness und das Fehlen von körperlichen Einschränkungen. Es müssen Pakete bis zu 30 kg transportiert werden, manchmal in die oberen Stockwerke eines Gebäudes. Sollten beträchtliche Einschränkungen im Arm- oder Rückenbereich vorliegen, kann die langfristige Ausübung des Jobs nicht gewährleistet werden.

 

Die Ausbildung zum Postboten im Rahmen eines Quereinstiegs

Die Zweitausbildung bzw. Qualifizierung zum Postboten nimmt bei den großen deutschen Unternehmen sowohl bei einer Umschulung als auch bei einer regulären Ausbildung 2 Jahre in Anspruch. Die meisten Ausbildungsplätze gibt es bei den Marktriesen DHL und Deutsche Post, aber auch Hermes oder UPS bieten Ausbildungen an. Bei einer kaufmännischen Erstausbildung oder entsprechender Berufserfahrung kann die Ausbildung nach Absprache mit dem Ausbildungsbetrieb individuell verkürzt werden, meistens um ein halbes Jahr. Besonders Vorerfahrungen in der Logistik sind gern gesehen und können in Kombination mit der abgeschlossenen Ausbildung für innerbetriebliche Weiterbildungen nützlich sein.

Die Ausbildung ist in einen praktischen und in einen theoretischen Teil gegliedert: In der Regel verbringen die Azubis zwei Tage pro Woche in der Berufsschule, wo sie die notwendigen Grundlagen in den Bereichen Wirtschaft, Deutsch, Sozialkunde, Verkehrsgeografie und Arbeitsschutz erlernen. In der restlichen Zeit lernen sie die Praxis bei den Ausbildungsunternehmen kennen, dort durchlaufen die Azubis in der Regel verschiedene Bereiche. Diese sind unter anderem Kundenbetreuung, Paketsortierung, Verwaltung und die Austragungen selbst.

Die theoretische Ausbildung erfolgt an einer – meist nahgelegenen – Berufsfachschule. Diese sind im gesamten Bundesgebiet vorhanden und bieten im Regelfall mehrere Ausbildungen im kaufmännischen Bereich an. Berufsfachschulen befinden sich z. B. in:

  • Staatliche Berufsschule II in Bayreuth
  • Regionales Berufsbildungszentrum der Wirtschaft in Kiel
  • Berufsschule der Deutschen Post in Chemnitz
  • Städtische Berufsschule für Spedition und Touristik in München

 

Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten während der Umschulung zum Postboten

Das Gehalt einer Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen während der Ausbildung ist vergleichsweise niedrig. Je nach Unternehmen liegt die Vergütung im ersten Jahr pro Monat zwischen 600,- € und 800,-€ brutto und im zweiten Jahr bei 700,- € bis 850,- € brutto. Da die Deutsche Post durch staatliche Tarifverträge für die meisten ihrer Angestellten gebunden ist, fallen bei diesem Unternehmen die Gehälter – auch während der Ausbildung – höher aus, als bei rein privaten Firmen wie z. B. Hermes. Aufgrund des verstärkten Mangels an Nachwuchskräften erhöhten einige Logistik- und Kurierunternehmen ihre Gehälter während der Ausbildung oder bieten einen festen finanziellen Beitrag für den Führerschein an.

Aufgrund des niedrigen Gehalts können unter Umständen staatlichen Hilfen für die Zeit der zweijährigen Ausbildung beantragt werden, wie z. B. das Wohngeld oder eine Aufstockung im Rahmen des Niedriglohns.

 

Das Gehalt von Briefträgern nach Abschluss der Zweitausbildung

Teilweise oder vollständig staatliche Unternehmen wie die Deutsche Post sind an Tarifverträge für die Angestellten des öffentlichen Dienstes gebunden. Aufgrund dieser liegt das Einstiegsgehalt der Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen bei etwa 1600,- € bis 2000,- €. Die genaue Höhe der Vergütung hängt von den Bundesländern und den jeweils gültigen Tarifbestimmungen ab, Zuschläge für Spätschichten oder Extra-Ausfahrten sind hier nicht miteingerechnet.

Das Gehalt erhöht sich mit der Anzahl der Berufsjahre, auch interne oder freiwillige Weiterbildungen auf privater Basis können zusätzliche Qualifikationen verschaffen, die innerhalb des Unternehmens eine höhere Stelle verschaffen.