Lesen und Schreiben lernen – der schwere Schritt aus dem Abseits

Helfen Sie anderen, sich die Welt des geschriebenen Wortes zu erschließen!  © ra2 studio - Fotolia.com
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Ein gutes Buch zu lesen ist für viele Menschen selbst-verständlich. Viele schreiben morgens mal eben rasch einen Einkaufszettel und freuen sich über die netten Zeilen in der Karte, die sie zum Geburtstag erhalten.

Dabei wird oft übersehen, dass jeder 16. Deutsche an solchen vermeintlich kleinen Vergnügen nicht teilnehmen kann – weil er nie richtig Lesen und Schreiben gelernt hat.

Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung

Deutschland ist ein Land mit einem hohen Bildungsstandard, in dem es unzählige Möglichkeiten zur Bildung und Weiterbildung gibt. Doch trotz Schulpflicht gibt es über 4 Millionen Analphabeten in Deutschland. Sie sind geübt darin, ihre Probleme zu verbergen, sodass Außenstehende oftmals nichts davon merken.

Dabei bedürfte es nur der eigenen Überwindung, Hilfe anzunehmen, um aus dem Kreis des Verbergens dieser vermeintlichen Schwäche auszubrechen. Gerade Menschen über 50, die schon ihr Leben lang insbesondere im Beruf versuchen, niemanden merken zu lassen, dass sie nicht schreiben und lesen können, möchten nur zu gerne etwas daran ändern, um die ständigen Einschränkungen nicht mehr hinnehmen zu müssen. Doch die Scham ist groß und die Überwindung scheint vielen Menschen unmöglich. Dabei bedarf es eines einzigen Schritts über seinen Schatten, um sich vom Analphabetismus zu befreien.

Hilfe zur Selbsthilfe – Angebote für Analphabeten

Wenn sich der Betroffene nicht in die Öffentlichkeit wagen möchte, um in Kursen schreiben und lesen zu lernen und sich motivieren kann, zu Hause eigenständig zu arbeiten, bieten sich zahlreiche Selbstlernseiten im Internet an. Hier werden die Übungen oftmals kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies kann auch als ergänzendes Angebot zu richtigen Kursen vor Ort genutzt werden.

Solche Kurse finden Betroffene bei den örtlichen und regionalen Volkshochschulen, die oft auch spezielle Bildungsprogramme im Seniorenbereich anbieten. Die Alphabetisierungskurse der Volkshochschule sind in allen Bundesländern zahlreich zu finden. Spitzenreiter ist Nordrhein-Westfalen mit über 600 Kursen, bezogen auf das Jahr 2009. Es folgen Niedersachen und Berlin. Selbst im kleinsten Bundesland, dem Saarland, gab es bereits 2009 dreißig Angebote zur Alphabetisierung.

Preiswerte Angebote und finanzielle gestützte Förderung

Kurse speziell für Senioren, die Schreiben und Lesen lernen möchten, bietet auch die Caritas an, die quer durch Deutschland tätig ist. Die Caritaskurse sind oftmals sehr preisgünstig und teilweise schon ab 5 Euro monatlich zu besuchen. Dies ist insbesondere für Senioren eine gute Möglichkeit, die von einer kleineren Rente leben müssen oder von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Die Dauer des Kurses beträgt in der Regel ein Jahr, weitere Folgekurse können ebenfalls besucht werden.

Finanzielle Unterstützung erhalten Lernwillige, die einen Kursbesuch nicht eigenständig finanzieren können, von der ALFA-Stiftung, deren Gelder von den jeweiligen Einrichtungen für Erwachsenenbildung beantragt werden können. Die Stiftung wurde im Jahr 2008 vom Bundesverband für Alphabetisierung und Grundbildung e. V. gegründet. Dieser hilft beim Weg aus den Schreib- und Leseproblemen für die Generation 50plus mit wertvollen Informationen.

Gemeinsamkeit macht stark – Selbsthilfegruppen

In einigen wenigen Städten wurden, zumeist von Betroffenen, Selbsthilfegruppen gegründet, in denen Menschen mit Schreib- und Leseproblemen Ansprechpartner und Gleichgesinnte finden. Denn im Kreise von Menschen, die das Gleich erlebt haben und durchmachen, fühlt man sich in der Regel verstanden, erhält wertvolle Informationen, Tipps und Hilfestellung, die den Weg zum Lesen und Schreiben erleichtert. Solche Selbsthilfeorganisationen sind die ABC-Selbsthilfegruppe in Oldenburg, das Alpha-Team in Hamburg und die Selbsthilfegruppe Ludwigshafen.

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